Wenn aus Spiel Ernst wird – Wer hilft bei Spielsucht?

Roulette, Blackjack, Poker, Automatenspiele, aber auch der Lottoschein oder das Rubbellos: Glücksspiele üben auf viele Menschen eine magische Anziehungskraft aus. Die Hoffnung spielt mit, denn Geld macht zwar nicht glücklich, kann aber helfen, Träume zu verwirklichen.
Dabei geht es oft gar nicht um den Sportwagen oder die Villa mit Meerblick. Den ungeliebten Job kündigen und dem Chef noch mal richtig die Meinung zu sagen, weniger arbeiten, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, das Traumland bereisen, keine Existenzängste mehr haben – solche und ähnliche Wünsche treiben viele um, die ins Casino gehen oder ihre Kreuzchen auf dem Tippschein machen.

Ein kontrolliertes Spiel ist beim Glücksspiel schon die halbe Miete. Das Glück muss allerdings auch noch mitspielen! Doch das ist nicht alles. Glücksspiele bieten Spannung, Nervenkitzel, den Kick, der im Alltag oft fehlt – und haben so auch ein gewisses Suchtpotenzial. Gewinne werden als Erfolg wahrgenommen, die “Belohnung” besteht in positiven Gefühlen. An der Spielsucht jedoch ist nichts Positives: Die sozialen Folgen reichen von Verschuldung und Verlust des Arbeitsplatzes bis zu Scheidung, Vereinsamung und sozialer Isolation. Am Ende der Abwärtsspirale stehen nicht selten Ruin, Obdachlosigkeit  und totaler Absturz, schlimmstenfalls kommt es sogar zu einer Art “Beschaffungskriminalität”, wenn Spielsüchtige zu illegalen Mitteln greifen, um ihre Sucht zu finanzieren.

Warum allerdings manche Menschen abhängig werden und andere nicht, ist nicht genau erforscht und bei den so genannten “nicht-stofflichen” Süchten, zu denen z.B. auch Kauf- und Fernsehsucht zählen, noch schwerer einzugrenzen als bei Alkohol oder Drogen. Casinos und Lotterien widmen dem Themenbereich “verantwortungsbewusstes Spielen” zwar zunehmende Aufmerksamkeit, verhindern können sie jedoch nicht, dass einige ihrer “Kunden” in die Sucht abgleiten.

Eine besondere Gefahr geht Expertenmeinungen zu Folge von Automatenspielsalons aus. Denn hier fehlt die soziale Kontrolle, die im Casino zumindest noch teilweise gegeben  ist. Ein Zusammenhang besteht vermutlich auch zwischen der wirtschaftlichen Gesamtsituation und problematischem Spielverhalten. Durch Jobverlust und soziale Unsicherheit entstehen Gefühle der Wertlosigkeit und Nutzlosigkeit, die manche Betroffenen im Spiel kompensieren.

Doch was tun, wenn Blackjack oder Roulette zum Problem werden, das eigene Spielverhalten nur noch schwer kontrolliert werden kann oder jemand aus dem eigenen Umfeld in die Spielsucht abzugleiten droht?

Erste Anlaufstelle sind in einem solchen Fall immer entsprechende Hilfseinrichtungen. Betroffene oder Angehörige können sich zum Beispiel an Gamblers Anonymous wenden. Ähnlich wie bei den Anonymen Alkoholikern gibt es dort Hilfe bei der Erkennung und Behandlung von Spielsucht, regionale Selbsthilfegruppen, zahlreiche Tipps und Unterstützung bei der Überwindung der Abhängigkeit. Auch Vereine wie der Arbeitskreis gegen Spielsucht bieten unterschiedliche Hilfsangebote.

Auch Träger sozialer Einrichtungen wie z.B. die Caritas bieten in zahlreichen Städten Suchtberatungen an. Das hat den Vorteil, dass diese Organisationen in der Regel auch Schuldnerberatungsstellen, psychologische Ambulanzen oder Familienberatungsstellen betreiben, so dass es für Betroffene leichter wird, auch diejenigen Probleme anzugehen, die entweder zur Entstehung der Sucht beigetragen haben oder deren direkte Folge sind.

Der schwierigste Schritt ist meist getan, wenn Betroffene sich entscheiden, Hilfe anzunehmen. Allzu lange warten sollte, wer an sich Zeichen pathologischen Spielverhaltens bemerkt, nicht. Denn mit der Zeit wird es immer schwieriger, den Teufelskreis der Abhängigkeit zu durchbrechen, und mit dem drohenden Verlust von Existenz und sozialem Umfeld steht buchstäblich viel auf dem Spiel.

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